Die Idee zu einer mittelalterlichen Gruppe entstand etwa im Jahre 2001.
In unserem Freundeskreis kam während eines unserer traditionsreichen, sonntäglichen Treffen der Wunsch auf, mehr aus unseren z. T. stark ausgeprägten kreativen Talenten zu machen: Man könnte ja eine Mittelaltergruppe gründen.

Dabei war das Thema "Mittelalter" nicht für jeden von uns unbedingt neu:
Nikolai zum Beispiel hat zeitweise Geschichte studiert und sich bereits in den achtziger Jahren mit dem Thema 'Leben im Mittelalter' beschäftigt- und das zu einer Zeit, wo es nur wenige Mittelaltermärkte, kaum mittelalterliche Musik und nur spärliche Literatur in den Läden zu kaufen gab; so war schon damals Erfindungsreichtum gefragt, wenn man z.B. mittelalterlichen Klängen lauschen wollte. An mittelalterliche 'Fachzeitschriften' gar war nicht zu denken.

Hinzu kommt, dass wir in der Wetterau in einer sehr geschichtsträchtigen Gegend leben:
Schaut man aus dem Fenster, sieht man den Glauberg, dort, wo der berühmte Keltenfürst (der mit den „Mickey- Mouse“- Ohren) gefunden wurde und eine große Gruppe Kelten gelebt hat. Die Besiedelung des Glaubergs reichte natürlich auch bis ins Mittelalter hinein. Man hat es nicht weit zum Limes, kann bis Büdingen „spucken“ (eine der Städte mit mittelalterlichem Stadtkern und dem Sitz der Ysenburger Fürsten) und kann innerhalb von 10 Minuten zur Ronneburg fahren oder auch reiten. Sogar in unserem Dorf Büches gab es mal eine Burg und ein eigenes ritterliches Geschlecht.

Also: Der Sprung ins Mittelalter war gar nicht so groß.

Ach ja, nicht zu vergessen: Lindheim war einer der wichtigsten Gerichtsplätze für die Inquisition (Hexen-verfolgung in der frühen Neuzeit) in der Region- auch das ist nicht weit von Büches.

Der Besuch historischer Märkte, Burgfeste etc. und die Begegnung mit "Gewandeten" ließ das Interesse an eine längst versunkene Epoche wieder erwachen.

Zu Beginn der „mittelalterlichen“ Gemeinschaft lag das Interesse einiger weiblicher Gefährtinnen an der Kleidung des Mittelalters und den ersten Versuchen, sich eine eigene mittelalterliche Gewandung zu schneidern. Neben der Frage, welche Stoffe und Farben man verwenden kann, welche Schnitte man benutzt, musste natürlich auch das Nähen erlernt werden. Besonders hier waren und sind immer wieder Improvisationsgeschick und kreatives Denken gefragt.

In diesem Zusammenhang mussten wir uns nun auch überlegen, welchen Stand man verkörpern möchte. Im Gegensatz zu heute hatte jeder Mensch in der mittelalterlichen Gesellschaft seinen festen Platz; daher die Frage nach dem Stand: Adel, Bauer, Bürger, Priester oder gar Gaukler ?

Wir entschieden uns zunächst für den Adel.
Nicht, weil wir besonders reich (schade eigentlich) oder gar arrogant und unnahbar sind, nein, sondern weil sich zur gleichen Zeit ein weiteres Hirngespinst dazugesellte...

Doch zunächst stand da die nicht unerhebliche Frage:
Was wollen wir zum Thema 'Darstellung mittelalterlichen Lebens' beitragen ?

Uns war durch unsere zahlreichen Besuche auf Mittelaltermärkten, Burgfesten etc. aufgefallen, dass man vor allem auf „Waffenfanatiker“ stößt, d.h. fast jeder (vor allem Männer, aber auch Frauen !) schleppt ein Schwert o.ä. mit sich herum und protzt damit. Es kommt dabei durchaus das Gefühl auf, das Mittelalter muss eine barbarische Zeit gewesen sein (a la Conan, der Barbar), in der nur derjenige etwas galt, der eine Waffe schwingen konnte- man kann nicht falscher liegen! Frauen in Waffen hätten im europäischen Mittelalter wahrscheinlich eine unglaublich komische Lachnummer abgegeben, so eine Art Comedy des Mittelalters.
Da der Klerus nicht immer ganz so humorvoll war, liegt auf der Hand, warum man die Jungfrau von Orleans schnellstmöglich verbrannt wissen wollte, da sie immerhin die von Gott gegebene Ordnung störte (Frauen in Waffen ?).

Aus dieser Beobachtung männermordender Weiber und tölpelhafter Kriegerritter auf Mittelaltermärkten erwuchs der Wunsch, die andere Seite des Mittelalters darzustellen, v. a. die des Adels, also das, was man „höfisches Leben“ nennt (Leben am Hofe eines Herrn = höfisch). Da es im Mittelalter der heute so vielfältigen Freizeitmöglichkeiten ermangelte und sich im Adel zunehmend eine bestimmte Kultur formte (das, was man so mit Ritterlichkeit verbindet, z.B. Minnesang, eine Dame verehren etc.), kam etwas in Mode, was eigentlich auch heute noch zu jedem Fest dazugehört: Der Tanz.

Wieder waren es bestimmte weibliche Mitgefährtinnen, die begannen, sich praktisches und theoretisches Wissen über den historischen Tanz anzueignen und Kurse zu besuchen, wo einzelne Tanzschritte und ganze Tänze erlernt wurden.

 

Die neue Mittelaltergemeinschaft wagte ihre ersten Tanzversuche in einem provisorischen Trainingsraum (damals noch in einer Backstube).
Gewandungen wurden genäht; zunächst nur von einer einzelnen Person der Gruppe, Schuhwerk improvisiert und fieberhaft nach einem Namen für die mittelalterliche Tanzgruppe gesucht und natürlich auch gefunden:

"PEDES INFLATI"

ward geboren. Der Name bedeutet übrigens „stolze Füße“ und bezieht sich zum einen auf unsere Tätigkeit (TANZEN), das macht man ja bekanntlicherweise mit den Füßen, zum anderen auf eine Hobbit-Familie, die im 'Herrn der Ringe' genannt werden: Die Stolzfußens (ein kleiner Hinweis auf unsere zweite sehr große Leidenschaft). PEDES INFLATI ist nämlich schon von Anfang an auch "mittelirdisch", will sagen, wir sind eine "mittelaltirdische" Gruppe.

Durch diverse Kontakte folgten bald die ersten öffentlichen Auftritte.

Wie das aber so ist mit uns: Es blieb nicht lange nur beim Tanzen. Die Gewandschneyderey wird nun zusehends professioneller betrieben und allerley mehr des mittelalterlichen Lebens ausprobiert: Vom Kochen und Essen (manches, das wir essen, ist ein bisschen schwer !), dem Heiraten nach mittelalterlichem Brauche (ich kann nicht, wenn jeder mitzuguckt !), dem Gießen von Zinn, dem Werfen von Messern und Äxten, Bogenschießen undsoweiter.

Nun, man muss wissen, dass es im Mittelalter ein ganz besonders beliebtes Nahrungsmittel gab, das zu jeder Mahlzeit gereicht wurde und bei keinem Essen fehlen durfte: Das Brot !

Nun muss man auch wissen, dass es einen besonderen Grund hatte, weshalb wir in einer Backstube Tanzübungen abhielten: Ein Paar unserer Tanzfüße gehörten nämlich einem Bäckermeister.
Weil der besagte Bäcker im Allgemeinen gerne backt, lag nichts näher, als mittelalterliche (und eigene) Brotkreationen auszuprobieren. Das Brot und viele andere Spezereyen und Gegenstände, die PEDES INFLATI herstellten, schienen von so gutem Geschmacke zu sein, dass man uns ansprach, ob man diese Dinge nicht auch kaufen könnte:
Die Idee von PEDES INFLATI als Markthändler ward geboren.


Zunächst probierten wir die Teilnahme an nichthistorischen Märkten aus und behalfen uns zwecks Unterstand mit einem unmittelalterlichen Gartenpavillon (das "Grüne Etwas", immerhin in grün), von unserem Hochzeitspaar gestiftet.
Der Pavillon war natürlich nicht standesgemäß (mittelalterlich genug, will sagen, authentisch) und so entwarf unsere Architektin einen Marktstand und unser „Ingenieur“ hat die Detailplanung und Ausführung übernommen, es wurde tapfer gestrichen und geschraubt ...

So steht denn bis zum heutigen Tage der Marktstand von PEDES INFLATI (wenn er denn steht) bomben- äh- katapultefest.

PEDES INFLATI spielt natürlich auch sehr gerne hin und wieder mal die Rolle der Markthändler und -händlerinnen. Immer nur Adel - das wäre ja auf Dauer auch ein wenig zu langweilig !

Das Jahr 2003 war von besonders großer Arbeitsamkeit geprägt.

PEDES INFLATI war sehr bei der kreativen Entwicklung und der Organisation des großen Mittelalterfestes "650 Jahre Stadtrechte" in Büdingen beteiligt:

Büdinger Bürger bei ihren Ideen unterstützen, kleine Einführungen zu mittelalterlicher Gewandung und Tänzen geben, ordentlich die Werbetrommel bei Promotionsveranstaltungen rühren usw. Ebenso schreiben wir es uns auf die Fahne, dabei kräftig mitgewirkt zu haben, das Fest mit größtmöglicher Authentizität zu gestalten, was leider nicht immer gelungen ist (z.B. war manche Neonreklame auf dem Markt entgegen der Bemühungen, diese zu verstecken, sichtbar geblieben). Trotz manch gelassener Kraft und Energie (bisweilen artete es ganz schön in Streß aus) sind wir stolz darauf, bei solch einem schönen Mittelalterfest (und das in Büdingen !) mitgewirkt zu haben.

Ein Hoch auf die Büdinger Aktiven !

Zudem haben wir unser schauspielerisches Talent entdeckt und beim so genannten „Historical“ - '1353 Weg in die Freiheit' (einem mittelalterlich- historischen Theaterstück mit Musik und Tanz) die Rolle des Adels mit übernommen.
Natürlich waren wir auch auf dem Markt selbst mit unserem Marktstand vertreten.
Was wir in diesem Zeitraum sonst noch so alles gemacht haben, kann man unter der Rubrik "Calendarium 2003" nachschauen.

Besonders erwähnenswert sind einige außergewöhnliche Aktivitäten, die für die Mittelalterszene ziemlich untypisch sind. Dazu gehören die Bewirtung in historischem Ambiente mit historischen Leckereien für historische Theaterstücke. Ebenso haben wir den Weg ins Fernsehen gefunden, wenn auch nicht gesucht, aber manches ergibt sich aus glücklichen Umständen (man nennt so was "dumme Zufälle"). Unsere Versuche Halloween-Veranstaltungen oder mittelirdische Events zu Kinopremieren zu organisieren waren leider aufgrund mangelnden Engagements seitens derjenigen, die versprochen hatten, ein solches Event zu veranstalten und zu sponsern, nicht so sehr von Erfolg gekrönt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden !

Drei weitere Interessen haben den Weg von PEDES INFLATI bestimmt:

(1) Das Interesse für Tanz hatte schon vor längerer Zeit v. a. in den weiblichen Herzen auch das Interesse am Orient geweckt, sodass auch Bauchtanz, orientalische Moscheelampen, Teegläser samt Tee zu unserem „Sortiment“ gehören. Wir arbeiten noch an unserer "Green - Piper - Lounge", d.h. an unserem orientalischen Teezelt !

(2) Das jahrzehntelange Schwärmen für Tolkiens Meisterwerke (vor allem 'Herr der Ringe') wurde durch Jacksons Meisterwerke (der 'Herr der Ringe' als Filmtrilogie) noch verstärkt und in manchen Gefährten erst richtig zum Ausbruch gebracht. Wir haben sogar keine Kosten und Mühen gescheut und sind bis nach Mittelerde direkt gereist (Neuseeland). Auf den mittlerweile zahlreichen Tolkien-Events, z. B. RINGCON lassen sich die Fähigkeiten von PEDES INFLATI sehr gut einbringen.

(3) Der Kontakt mit „Profis“ der Mittelalterszene brachte es mit sich, dass PEDES INFLATI bzw. einige Mitglieder im museumspädagogischen Dienst stärker involviert sind.

Der museumspädagogische Dienst besteht aus Menschen, die in der Kinder- und Erwachsenenbildung tätig sind und durch Burgführungen, Herstellen von Gegenständen (Amuletten, Tinte usw.), Seminaren (z.B. für Tanz, Schwertkampf, Bogenschießen usw.) dem „gemeinen Bürger“ Historisches nahe bringen möchten.
Museum = Historisches / Mittelalterliches
Pädagogisch = Menschen etwas lehren, hier mit Spaß und praktischen Erlebnissen, deswegen auch Erlebnispädagogik !!
Dienst = Dienstleistung.

Mittlerweile hat PEDES INFLATI einige neue Freunde inner- und außerhalb der Mittelalterszene gewonnen.
Das heißt natürlich nicht, dass uns jeder lieben und mögen muß.

In der Zukunft werden wir unsere Kreativität weiter ausleben.
Für 2004 sind weitere Auftritte, die Teilnahme an diversen Märkten und natürlich auch wieder Besuche von historischen Märkten geplant, evtl. auch mal die Teilnahme an einem mittelalterlichen Lager- Lagerleben soll ja recht unterhaltsam sein. Für uns bis jetzt noch reine Theorie !

Leider haben sich in der Zwischenzeit auch einige unserer Gründungsgefährten von uns getrennt. Das hat z. T. private Gründe, z. T. wurde jenen gewissen Personen unsere Aktivitäten zu stressig und die Interessen entwickelten sich in gegensätzliche Richtungen.

Dennoch lässt sich PEDES INFLATI trotz all der Irrungen und Wirrungen, Kritiken und böser Worte von Neidern nicht entmutigen -


WIR MACHEN WEITER !

ES LEBE

PEDES INFLATI !

 

Autoren:

Nikolai und Kerstin im Winter 2003 / 2004

 


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