Redewendungen
   
   
  "Etwas ausbaden müssen"
Für Vergehen eines anderen büßen.
   
  "Blauer Montag"
Arbeitsfreier Montag. Ausdruck der Wollfärber. Die mit Färberwaid getränkte Wolle, ein indigoartiger Farbstoff, der sich an der Luft blau färbt, ließ man am Sonntag einweichen, um sie montags an der Luft trocknen zu lassen. So konnten die Gesellen am Montag müßig gehen, also "blau" machen.
   
  "Das schlägt dem Fass den Boden aus"
Das macht das Maß übervoll.
   
  "Mehrere Eisen im Feuer haben"
Umsichtig sein, für Notfälle und die Zukunft vorsorgen, vielseitig/tüchtig sein. Aus dem Schmiedehandwerk: Der Meister, der gleich mehrere Eisen im Feuer hält, spart Material und Zeit, zumal er die Wahl hat, welches Eisen er zuerst bearbeiten will.
   
  "Das Eisen schmieden, solange es heiss ist."
Nicht lange zögern, keinen Aufschub dulden, den günstigen Augenblick nutzen. Der Schmied muß das glühende Eisen sofort bearbeiten, solange es sich formen läßt.
   
  "Jemandem das Handwerk legen"
Unerlaubte Machenschaften, schädliches Treiben beenden.
   
  "Einem ins Handwerk pfuschen"
Ungeschickt und unberufen eine Arbeit verrichten.
   
  "Einem unter die Arme greifen"
Ihm in (finanzieller) Verlegenheit oder Not zu helfen.
   
  "Viel Aufhebens von etwas machen"
Eine Sache wichtigtuerisch behandeln.
   
  "Einen ausstechen"
Jemanden übertreffen. Begriff aus dem ritterlichen Turnierwesen, verkürzte Wendung von "aus dem Sattel stechen".
   
  "Aus der Bahn geworfen werden"
Im Leben scheitern. Aus der Turniersprache, in der die "Bahn" Kampfplatz zwischen den Turnierschranken war. Wer aus der Bahn geworfen wurde, hatte den Kampf verloren.
   
  "Eine Lanze für jemanden brechen"
Für jemanden eintreten. Im ritterlichen Zweikampf galt es, die eigene Lanze am Schild (oder Helm) des Gegners zu brechen.
   
  "Vom Leder ziehen"
Angreifen, scharf vorgehen. Der Angreifer zog das Schwert aus der mit Leder bezogenen Schwertscheide, um loszuschlagen.
   
  "Jemanden aus dem Sattel heben"
Ihn besiegen, aus dem Felde schlagen. Wer beim Turnier den Gegner mit der Lanze aus dem Sattel hob, durfte ihn, sein Pferd, seine Waffen und Rüstung als Beute betrachten.
   
  "Etwas im Schilde führen"
Etwas heimlich vorhaben, Ränke schmieden. Das eigentlich Hinterhältige hat eine andere Wurzel: Die durch ihre Panzerung gleich aussehende Ritter führten auf ihren Schilden ihre Wappen, um sich so kenntlich zu machen.
   
  "Jemanden in die Schranken fordern oder weisen"
Sich mit jemandem auseinander setzen, ihn zurechtweisen. Aus der Gerichts- und Turniersprache. Die Schranken sicherten die Akteure auf dem Gerichts- und Turnierplatz gegen die Menge.
   
  "Jemandem im Stich lassen"
Ihm nicht helfen, ihn in der Gefahr verlassen. Aus der "Rittersprache", d. h. den Gestochenen zurücklassen, allein lassen.
   
  "Einen langen Arm haben"
Großen Einfluss besitzen. Der Arm bestimmt die Reichweite des Menschen.
   
  "Einem Brief und Siegel geben"
Ihm Gewißheit geben, Gewähr für etwas bieten. Aus der Gerichtssprache, in der "Brief" so viel wie Urkunde bedeutete. Verbrieftes Recht war somit urkundlich verankertes Recht und ein Brief ohne Siegel als Urkunde nicht rechtsgültig.
   
  "Großes Gewicht auf etwas legen"
Es für wichtig nehmen, es hoch bewerten: Man mußte in eine der beiden Waagschalen so viel Gewichte legen, wie die Ware in der anderen Schale wog.
   
  "Etwas in Kauf nehmen"
Etwas Unangenehmenes im Interesse einer Sache hinnehmen. Immer wieder versuchten Händler, begehrte Ware zusammen mit dem Schund loszuwerden. Der Kunde "nahm das in Kauf", so lange die gute Ware ihm das wert war.
   
  "Das paßt ihm nicht in den Kram"

Das kommt ungelegen, ist unerwünscht. Kram ist die Ware des Krämers, der es als Zumutung empfindet, Ware zu führen, die er sonst nicht feilbietet. Sie "paßt ihm nicht in den Kram" und bleibt somit leicht als Ladenhüter liegen.

   
  "Die Würmer aus der Nase ziehen"
Durch geschicktes Hinterfragen Geheimnisse entlocken.
   
  "Beutelschneiderei"
Preistreiberei, bei der man sich betrogen und bestohlen fühlt.

   
 
  "Etwas aus dem Ärmel schütteln"

Etwas vermeintlich Schwieriges mühelos aus dem Stand tun können. Aus der spätmittelalterlichen Mode stammend, wo man aus weiten taschen-förmigen Ärmeln Überraschendes zu Tage fördern konnte.

   
 
   "Unter die Haube kommen"
Einen Mann bekommen; heiraten. Während die jungen Mädchen vormals offenes, herunterhängendes Haar als Zeichen der Unberührtheit trugen, banden die verheirateten Frauen das Haar hoch und steckten es unter eine Haube.
   
 
  "Unter einen Hut bringen"

Zu einer Ansicht bekehren; für dasselbe Ziel gewinnen; etwas auf einen Nenner bringen. Der Hut steht hier bildlich für "Herrschaft" bzw. auch für Herrscherkrone oder Bischofsmitra. Wenn nach altem Rechtsbrauch Land und Leute symbolisch unter einen Hut kamen, unterstanden sie dem Willen eines Herrn, der sie nun regierte.

   
 
  "Mit jemandem anbändeln"
Eine Liebschaft beginnen, sich dem anderen zu nähern versuchen. Beruht auf der Sitte, dass sich Verliebte gemalte Bänder als Symbol für die Liebesbande schenkten.
   
 
  "Jemanden einen Korb geben"
Ihm eine Absage erteilen. Unerwünschte Verehrer wurden früher in einem schadhaften Korb zum Kammerfenster der Burg emporgezogen, in dem die Angebetete wohnte. Dabei fielen sie häufig mit dem Sitz durch. Davon abgeleitet auch "durchfallen", "er ist unten durch", "Hahn im Korb".
     
   "Blaues Blut haben, blaublütig sein"

Adliger Abstammung sein. Aus dem Spanischen: Der Großteil der dortigen Adligen war nördlicher Abstammung (Westgoten ?), weshalb das Blut in den blauen Adern durch die hellhäutige Haut besser zu sehen war als bei den Einheimischen. 

     
"Jemanden den Hof machen"
Die Gunst einer Person / einer Frau erstreben, sie verehren, um sie werben. Die Redensart gilt für die Gesellschaft insgesamt, wurde jedoch vom Leben am französischen Hofe übernommen. Mit "Hof" war das unmittelbare Umfeld einschließlich der Dienerschaft des Fürsten gemeint, die im den Hof machten, ihm dienten.
     
"Narrenfreiheit haben"
Jemand darf machen oder sagen, was er will. Bereits im Altertum belustigten Spaßmacher die Höfe oder adlige Gesellschaften. Der Narr war im Mittelalter zunächst jemand, der in irgendeiner Form von der Norm abwich. Vor allem im 15. und 16. Jahrhundert gab es bei Hofe den Hofnarren, der u. a. mit einer Narrenkappe gekleidet war. Von ihm wurde erwartet, die Gesellschaft zu belustigen, indem er Possen riss. Aus dieser sicherlich nicht unbegrenzten Freiheit entstand die Redewendung mit der heutigen Bedeutung.
     
  "Ein Frauenzimmer"

Scherzhafte bis abwertende Bezeichnung für Frau. Im Spätmittelalter Begriff für Gemach der Herrin oder der Frauen, später auf das weibliche Gefolge am Hof und bereits auf Frau im Allgemeinen, allerdings noch neutral bezogen. Die negative Wertung setzte im 19. Jahrhundert ein.

   
 
 

Quelle: PAX ET GAUDIUM - Spass an Geschichte

 

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